Die Pfarrgemeinderäte im Oene-Elspe-Tal haben sich neulich im Pfarrheim Elspe zu einem Klausurtag getroffen.
Es ging dabei am Morgen um einen Halbzeit-Rückblick auf das Tun in den vergangenen zwei Jahren und darum, einmal ausführlicher als gewöhnlich die in der Gemeindearbeit gemachten Erfahrungen zu diskutieren. Waren und sind es eher motivierende oder frustrierende? Überwiegt die Freude am Glauben und Gestalten im Kreis von Gleichgesinnten, bei der Jesus seiner Zusage entsprechend dort erfahrbar ist, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind (Mt 18,20)?
Ist das bislang geleistete ehrenamtliche Engagement vereinbar mit familiären und beruflichen Verpflichtungen? Viele Fragen, zu denen sich ein intensiver Austausch ergab, der darin zusammengefasst werden kann, dass es als bereichernd erfahren wird, kirchliches Leben mitzugestalten, auch wenn dies mitunter bedeutet, Widerstände überwinden zu müssen beziehungsweise angesichts vorherrschender religiöser Gleichgültigkeit infrage gestellt zu werden. Letzteres führt bestenfalls zu einer vertieften Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben, die aufgrund der massiven aktuellen Glaubens- und Glaubwürdigkeitskrise der Kirche eine große Herausforderung darstellt.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen stand am Nachmittag das Thema Glaubenserneuerung bezeihungsweise Evangelisierung auf dem Programm, zu dem Christopher Dietrich und Elisabeth Mölder als Referenten gewonnen werden konnten.
Christopher Dietrich beschäftigt sich als Mitarbeiter in der Abteilung Entwicklung des Generalvikariats Paderborn intensiv mit der Thematik, ebenso Elisabeth Mölder, die über viele Erfahrungen mit Evangelisierung aus ihrer Arbeit als Gemeindereferentin am Phoenixsee in Dortmund zu berichten wusste.
Worum geht es kurzgefasst bei der Evangelisierung? Für Christen um das Wachsen in der Freundschaft und Vertrautheit mit Jesus Christus. Seine für die Welt in den Tod gehende und in seiner Auferstehung den Tod überwindende Liebe will in seinem Geist in die Freiheit der Kinder Gottes führen. Sie führt heraus aus der Macht der vielfältigen Abhängigkeiten, in die der Mensch aus Sorge um sich selbst geraten ist und immer wieder gerät.
Eine so verstandene Freiheit ermöglicht einen selbstloseren Einsatz für eine geschwisterlichere Welt. Und so richtet sich Evangelisierung nicht ausschließlich darauf, in der Freundschaft mit Jesus Christus zu wachsen, sondern ebenso mit allen, die Gott nicht kennen oder zu Glaube und Kirche auf Distanz gegangen sind. Ihren Alltag zu teilen und mit ihrer Sichtweise auf das Leben vertraut zu werden, ihre Sehnsüchte und Hoffnungen aufzugreifen und mit dem Evangelium in Verbindung zu bringen, ist wohl der Auftrag einer mit der Liebe Gottes zu allen Menschen ernstmachenden Neuausrichtung der Kirche.
„In aller Demut haben wir zu bekennen: Ich bin selbst ein Armer, der aber einen Schatz gefunden hat, den er weiterschenken möchte. Ich bin nicht besser als mein Gegenüber. Auch in bin auf dem Weg und werde durch diese Begegnung beschenkt.“ (Otto Neubauer, Mission Possible).
Evangelisierung – Ein zu hoher Anspruch?
Nicht, wenn man ihn wie einst Frère Roger Schutz, Gründer der ökumenischen Gebetsgemeinschaft im französischen Taizé, versteht, der sagte: „Lebe das vom Evangelium, was Du verstanden hast – und sei es noch so wenig – aber lebe es!“ecafdc27cd09e6b06c54c3e944a65efb015da0cbkleinDas Foto zeigt Thomas Boenigk (Mitte) vom Elsper Pfarrgemeinderat mit den Referenten Christopher Dietrich und Elisabeth Mölder.