„Brain Play“ unter diesem Titel untersucht ein interdisziplinäres und internationales Forscherteam, wie Lernvorgänge im Gehirn funktionieren. Teil dieses Teams ist der gebürtige Lennestädter Prof. Dr. Dietmar Schmitz, Direktor des Neurowissenschaftlichen Forschungszentrums an der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Für ihre Untersuchungen erhalten die Forscher rund zehn Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrat (ERC) – die höchste Auszeichnung für Wissenschaftler auf europäischer Ebene.
Das Projektteam der Kognitionswissenschaftlerin Daphne Bavelier, des Biologen Michael Brecht, des Physikers Robert Gütig und des Mediziners Dietmar Schmitz möchte grundlegende Mechanismen des Lernens besser verstehen. Mit dem Fokus auf das Lernen durch Spielen werden in der breit angelegten Studie Lernmechanismen von der zellulären Ebene bis hin zur kognitiven Leistungsfähigkeit untersucht. Ziel ist es, auf neurobiologischer Ebene zu verstehen, wie wir lernen und wie spielerisches Lernen unser Gehirn verändert, so Linda Faye Tidwell vom Einstein Center for Neurosciences Berlin über das Projekt im Gespräch mit unserer Zeitung.
„Wir wissen erst sehr wenig darüber, was beim Spielen in unserem Gehirn vor sich geht und wie der Gehirnzustand während des Spiels das Lernen beeinflusst“, erklärt Robert Gütig, Professor für Mathematische Modellierung des Neuronalen Lernens. Der theoretische Neurowissenschaftler verantwortet eines der vier zentralen Teilprojekte. Darin befasst er sich mit einer neuen Theorie über neuronale Selbstlernmechanismen.
Ein zweites Teilprojekt an der Charité wird von Dietmar Schmitz, Professor für Neurowissenschaften, geleitet. Er untersucht die molekularen und zellulären Mechanismen der synaptischen Veränderungen im selbstlernenden Gehirn. „Wir möchten mehr darüber erfahren, wie das Gehirn in der Lage ist, sich selbst Wissen und Fertigkeiten anzueignen, also wie unser Gehirn autodidaktisch lernen kann“, sagt Professor Schmitz.
Der gebürtige Elsper, der in Saalhausen aufwuchs, ist seit 2005 Direktor des Neurowissenschaftlichen Forschungszentrums an der Charité-Universitätsmedizin Berlin und seit 2011 Sprecher des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) Standort Berlin. Er ist Mitgründer und Sprecher des Exzellenzclusters NeuroCure sowie des Einstein Zentrums für Neurowissenschaften Berlin.
Schmitz wurde in den letzten Jahren vielfach geehrt. So wurde er unter anderem zum ersten Einstein-Professor gekürt, erhielt mehrfach Forschungs- und Lehrpreise. In Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen wurde der Lennestädter erst kürzlich zum Mitglied sowohl der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina als auch der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Damit hat er zwei der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnungen erhalten, die deutsche Institutionen vergeben.
Im Gespräch mit dem SauerlandKurier sagt er: „Ich bin sehr dankbar und überaus glücklich, dass die vielen internationalen Gutachter unser Projekt ausgezeichnet haben. Diese Förderung gibt uns ganz neue Möglichkeiten für unsere Forschung und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit meinen tollen Kollegen.“Portrait Dietmar swklein